#FrauenlebenamFrauentag

IMG_3621

Wie leben Frauen eigentlich im 21. Jahrhundert? Was tun sie? Womit verbringen sie ihren Tag? Im letzten Jahr habe ich am Weltfrauentag eine kleine Blogparade gestartet und Frauen aufgerufen, diese Fragen zu beantworten. In diesem Jahr ist mein neues Blog noch ganz jung und meine Tage sind so voll, dass ich mir erst im letzten Moment Gedanken über den Kampftag machen konnte. Ich dachte mir, wenn auch keiner mitmacht, wiederhole ich hier für mich meine Aktion und schreibe über meinen Alltag. So sieht ein ganz normaler Tag bei mir aus:

Der Punkt krabbelt früh in mein Bett, schon gegen 2 Uhr. Ich versorge ihn schnell mit Nasentropfen und wechsele kurz darauf ins Kinderzimmer, weil der junge Mann quer im Bett liegt. Dort schläft es sich gut bis der Punkt um 6.25 Uhr vorbeikommt, um ein Taschentuch zu holen. Der Mann ist unterdes schon aufgestanden, ich schaue schon mal bei Twitter und Facebook rein und stelle auch gleich fest, dass heute Weltfrauentag ist. Die geschätzte Melanie von glücklich scheitern erinnerte sich ebenfalls an meine Aktion vom letzten Jahr und bestärkt mich in meinem Ansinnen, das Thema Frauenleben noch einmal aufzugreifen.
Das Feministische Netzwerk ruft zum Streik auf. Darüber denke ich nach. Was würde ein Streik für mich, meinen Tag, unsere Familie bedeuten? Ich arbeite freiberuflich, das würde schon mal niemand bemerken, ob ich arbeite oder nicht. Der Mann ist im Büro und das Kind im Kindergarten. Ich werde es am Nachmittag. Streiken ist nicht drin. Wenn dann müsste ich andere Frauen für mich einspannen und das wäre doch irgendwie albern. Was soll das also? Je länger ich drüber nachdenke, desto weniger verstehe ich es. Wer wäre Adressat eines solchen Streiks? Streikt tatsächlich jemand? Ist das System Familie nicht viel zu fragil, arbeiten nicht alle miteinander viel zu hart daran, den Alltag hinzukriegen, als das der mutwillige Ausfall einer Person alles Wanken bringt?

Ich für meinen Teil stelle fest, dass mein Leben ohnehin viel zu unsichtbar wäre für einen Streik. Ich beschränke mich also darauf, ein rotes Blüschen zu tragen. Der Mann kommt aus dem Bad, gratuliert zum Frauentag und entschuldigt sich, dass er seinen »Prague-Drinking-Team«-Pulli leider nicht im Büro anziehen kann. Das einzige rote Kleidungsstück in seinem Besitz. Das verstehe ich natürlich, obwohl mir die Vorstellung gefällt, wie er mit den Kollegen über Ungleichheit und Ausgrenzung von Frauen diskutiert.

Solidarität

Dem Punkt ziehe ich einen roten Pulli an und erklären ihm, dass wir heute etwas Rotes tragen, weil wir uns wünschen, dass alle Menschen gleich und niemand unfair behandelt wird. Er findet die Situation traurig, auch dass Papa gar nichts Rotes zum Anziehen hat. An der Tür staune ich über meinen großen Jungen und wir plaudern über einen Schultornister, den er irgendwann einmal bekommen wird. Dann sind die beiden weg und ich setze mich an den Schreibtisch, lese einige Artikel über den Weltfrauentag, kündige meinen eigenen Beitrag an und mache mich dann an die Arbeit. Ich recherchiere gerade für mein nächstes Buch. Wieder eine Romanbiographie.

Gegen Mittag wasche ich ein paar Hemden. Der Mann hatte angeboten, es selbst zu tun, aber was solls. Inzwischen ist es duster geworden. Es regnet. Die Stimmung sinkt. Zum Mittag-Snack stromere ich wieder durch Facebook und Twitter, die ganzen Geschichten, die Solidarität, auf umstandslos ein Artikel über Beziehungsgewalt. Das zieht runter. Die Katze ist auch ganz verrückt.

Sichtbar sein

Für den Nachmittag richte ich meine Autoren-Facebook-Seite ein. Auf Anhieb folgen mir Leute und ich freue mich. Ich gehe zum Kindergarten, ziehe das Kind fürs Taekwondo um, gehe wieder nach Hause. Ein halbes Stündchen. Fange an, diesen Artikel zu schreiben, dann muss ich auch schon wieder los. Die frische Luft tut gut, auch wenn es noch immer regnet. Vor der Turnhalle unterhalte ich mich mit anderen Eltern. Eine Mutter fragt mich nach meinem neuen Buch. Ich erzähle ihr, dass ich mein druckfrisches Exemplar dieser Tage erwarte. Der Erscheinungstermin ist der 20. März. – Das passt heute alles schön zusammen. Bei aller Unsichtbarkeit eben doch ein wenig sichtbar werden.

Ich scheuche das Kind durch den Regen zum Supermarkt. Kein Konsumboykott für uns, auch wenn wir nur zwei Utensilien fürs Abendessen kaufen. Dann nach Hause, wo den Punkt eine kleine kreative Überraschung erwartet. Ich koche das Abendessen. Was soll’s. Vegetarische Bolognese und Spaghetti. Lieblingsspeise meiner Lieblingsmenschen. Beim Abendessen erzählt der Punkt, was er heute über die Taufe gelernt hat und diskutiert, ob es Laserschwerter wirklich gibt, ob Darth Vader der Anführer der Bösen ist und fragt, wie der Imperator aussieht.  Und wie hieß nochmal der Grüne? Und der Braune? – woher er die ganzen Figuren kennt, wissen wir nicht. Das geht wohl im Kindergarten rum.

Jetzt setzt hier gleich der Abendwahnsinn ein. Meine Protestenergie ist so gut wie aufgebraucht. Ich werde mich wohl auch bald hinlegen. Mit einem Buch oder mit Netflix. Mal schauen.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s